Sie haben von Biofeedback und Neurofeedback gehört, sind aber unsicher, was sich dahinter verbirgt und ob es für Ihr Anliegen relevant sein könnte.
Beide Methoden basieren auf einer simplen Idee: Was man messen und sehen kann, kann man auch lernen zu steuern. Es geht darum, normalerweise unbewusste Körper- oder Gehirnfunktionen sichtbar zu machen, um sie gezielt zu beeinflussen. Dies stärkt die Wahrnehmung der Verbindung zwischen Körper und Psyche.
Sie schauen auf den Drehzahlmesser (Ihre Herzrate) oder die Motortemperatur (Ihren Stresslevel) und lernen bewusst, durch Ihr Verhalten (z.B. sanft Gas geben = ruhig atmen) alles im optimalen “grünen Bereich” zu halten. Sie steuern also aktiv die Bedienung des Autos. Es reicht, auf das Amaturenbrett zu schauen um z.B. die Geschwindigkeit richtig anzupassen.
Hier arbeiten Sie direkt am “Steuergerät” (Ihrem Gehirn). Sie trainieren es, von selbst effizienter, ruhiger und stabiler zu laufen. Nach dem Update fährt das Auto besser, ohne dass Sie während der Fahrt bewusst etwas anders machen müssen.
Biofeedback ist eine Methode, bei der Sie lernen, bewusst Kontrolle über spezifische Körperfunktionen zu erlangen, die normalerweise automatisch ablaufen.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren inneren Stresslevel live auf einem Bildschirm sehen. Wenn Sie eine Atemtechnik anwenden und der Balken sinkt, wissen Sie, dass es funktioniert. Sie bekommen eine direkte Erfolgsmeldung von Ihrem Körper.
Um zu lernen, wie Sie Ihre verspannten Schultern oder Ihren Kiefer aktiv lockern können.
Um Ihr Herz-Kreislaufsystem zu trainieren, flexibler und anpassungsfähiger zu arbeiten, z.B. auch bei Stress ruhiger zu sein.
Ein direkter Indikator für emotionale Anspannung
Oft an den Händen gemessen, um Entspannung zu fördern.
Um eine ruhige und gleichmäßige Atemfrequenz zu trainieren.
Sie erlernen konkrete Techniken, um Ihren Körper in stressigen Situationen oder bei Anspannung aktiv und bewusst zu beruhigen. Die erworbenen Fertigkeiten können dauerhaft behalten werden.
Neurofeedback ist eine spezialisierte Form des Biofeedbacks (auch EEG-Biofeedback genannt), die direkt an der “Kommandozentrale” – dem Gehirn – ansetzt.
Statt Körperfunktionen misst man hier die elektrische Aktivität des Gehirns (die Gehirnwellen via EEG). Das Training hilft dem Gehirn, ineffiziente oder unausgeglichene durch ausgeglichenere und flexiblere Aktivitätsmuster zu ersetzen.
Trainiert werden die Frequenzbänder der Gehirnwellen. Z.B.:
Hängen mit tiefer Entspannung, aber auch Unaufmerksamkeit zusammen.
Stehen für einen entspannten, wachen Zustand.
Wichtig für Aufmerksamkeit, Konzentration, Stabilität und Gelassenheit.
Nötig für bewusste Konzentration und Informationsverarbeitung.
Hängen mit Anspannung und Unruhe zusammen.
Das Gehirn lernt durch ein Belohnungssystem (z.B. ein Film läuft flüssig, Musik spielt) ganz von selbst, wie es sich optimal reguliert.
Biofeedback: Am Körper (Herz, Muskeln, Haut
Neurofeedback: Direkt an der Kopfoberfläche
Biofeedback: Peripheres / Vegetatives Nervensystem
Neurofeedback: Zentrales Nervensystem
Biofeedback: Ein entspannter Körper beruhigt den Geist.
Neurofeedback: Ein reguliertes Gehirn beruhigt Körper & Geist.
Biofeedback: Eine bewusst wahrnehmbare Technik (wie eine Atemübung), die ich aktiv anwende.
Neurofeedback: Eine unbewusste Fähigkeit; mein Gehirn lernt, es "einfach zu tun"
Hilft Ihnen, die körperlichen Stressreaktionen (Herzrasen, Verspannungen) zu erkennen und mit erlernten Techniken gegenzusteuern. Ideal für Stressmanagement und Burnout-Prävention.
Hilft Ihnen, dass Sie von vornherein gelassener auf Stress reagieren. Zielt darauf ab, die grundlegende Stressverarbeitung im Gehirn zu verbessern.
Spielt hier eine untergeordnete Rolle, kann aber helfen, die allgemeine körperliche Unruhe zu reduzieren.
Dies ist der primäre Ansatz (eine anerkannte Behandlungsoption in den Leitlinien). Er trainiert gezielt jene Gehirnwellen-Muster, die für Aufmerksamkeit und Fokus zuständig sind.
Kann bei Spannungskopfschmerz sehr wirksam sein (durch Entspannung der Nackenmuskulatur) und bei Migräne unterstützend wirken.
Adressiert die vermutete Ursache der Migräne – die Übererregbarkeit im Gehirn. Das Training zielt darauf ab, die Anfallsschwelle zu erhöhen.
Hilft bei Angst, die körperlichen Paniksymptome (z.B. Herzrasen) zu kontrollieren.
Kann bei Angst auf bestimmte Gehirnaktivitäten wirken, was beruhigend wirken kann (z.B. durch Erhöhung der Alpha-Wellen) und bei Schlafstörungen die für den Schlaf wichtigen Gehirnmuster fördern.
Sie haben nun einen klaren Überblick über die Unterschiede. Der nächste logische Schritt ist, die Methode, die Sie mehr anspricht, im Detail kennenzulernen. Erfahren Sie, wie ein Training genau abläuft, welche wissenschaftlichen Hintergründe es gibt und bei welchen Anliegen es noch helfen kann.